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  • : Udo Stärkelings
  • staerkelings
  • : männlich
  • : 13/04/1953
  • : Aachen
  • : Bin mittlerweile 55 Jahre alt und schlage mich seit Jahrzehnten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung in Verbindung mit dem Borderline-Syndrom herum. Möchte einfach für meine Erleichterung über meinen Alltag berichten.

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Samstag, 10. mai 2008

 



Manchmal glaube ich, dass sich die ganze Welt gegen mich verschworen hat. Versuche ja immer wieder das Gute in den Menschen zu sehen und Ihr Handeln irgendwie zu verstehen. Mittlerweile bin ich mit dieser Aufgabe völlig überfordert. Kein Tag vergeht momentan, dass mich Ereignisse und Erlebnisse wieder in eine Schieflage bringen, die in einer baldigen Explosion endet.

Der tägliche Gang zum Briefkasten wird langsam  zur Tortur. Möchte keine Briefe mehr erhalten. Mitteillungen, die mein Gleichgewicht total in eine Schieflage bringen. Die Rentenversicherung teilt mir mit, dass das Gutachten zur Gutachterin wieder zurück geht, weil Punkt A und Punkt B klärungsbedürftig ist, keine Ahnung was Punkt A und Punkt B ist, wird natürlich nicht erläutert. Somit verschiebt sich, wenn überhaupt genehmigt, mein Aufenthalt in einer Spezialklinik auf Weiteres. Nach einem Jahr und fünf Monaten meldet sich meine Firma und möchte mich bis zum 15. Mai sehen, mag gar nicht daran denken, dann graut es mir gewaltig. Meine Krankenkasse meldet, dass ich am 08.07.2008 ausgesteuert werde, was ich ja auch erwartet habe, aber kein Wort wie es dann weiter geht. Rechnungen lassen die Lebensfreude nach oben sprießen. Mir wurde eine Toilettensitzerhöhung wegen meines Beckenbruchs verordnet und dann flattert eine Rechnung heran, die ich schon über 1 Monat bezahlt habe. Meine Krankenkasse möchte dann auch noch Geld für einen Aufenthalt im Krankenhaus von Dezember 2007, habe ich im Februar 2008 bezahlt. Der Kampf mit Freenet um meinen Telefonanschluss geht weiter. Werde eiskalt um mein Geld betrogen.

Könnte die Liste noch etwas weiter führen. Nicht ein einziger Brief war dabei, der einen positiven Inhalt hatte. Mir fehlt einfach die Kraft gegen diese Windmühlen an zu gehen und ehrlich gesagt, habe ich auch keine Lust mehr und lass alles gegen die Wand fahren.


Ich hadere mit mir, dass ich mir jemals Hilfe für meine Krankheit holen wollte. Es war der größte Fehler, den ich jemals gemacht habe. Mein einziges Ziel war doch nur etwas Unterstützung zu erhalten mein Leben in den Griff zu bekommen. Stattdessen ist alles nur noch ein Chaos. Überall in den Therapien, das selbe Gewäsch und besonders über die Eigeninitiative, die man an den Tag legen soll, darüber muss ich schon heftig lachen. 49 Jahre Eigeninitiative, dass ist mein Leben. Habe alles was ich jemals versucht oder unternommen habe, mir mühsam selber erkämpfen müssen. Hatte keine Eltern oder Sponsoren, gute Bekannte, eine Hand wäscht die Andere Beziehung, die mich unterstützten. Nein, dass Alles macht mich nur noch anfälliger für dumme Gedanken.

Vorgestern hatte meine Jogginstrecke einen Todesfall zu verzeichnen. Ein junger Mann hatte sich von einem Viadukt, der 200m von meiner Wohnung entfernt ist, in die Tiefe gestürzt. Gestern joggte ich an der mit Blumen geschmückten Stelle vorbei und ein Gefühl der Solidarität ist in mir hoch gekommen und bewundere seinen Mut, wurde dann richtig sauer auf Ihn, dass er mich nicht mit genommen hat. Hoffentlich werde ich von diesem Scheiß, was man Leben nennt erlöst.

Wünsch trotzdem ein schönes Wochenende

Udo


Ricarda Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus, heute Stadtteil von Kronberg; Pseudonym: Richard Hugo) war eine deutsche Dichterin, Philosophin und Historikerin.
Ricarda Huch entstammte einer Kaufmannsfamilie, die in ihrer Generation gleich mehrere zum Teil äußerst produktive Literaten hervorbrachte – ihr Bruder Rudolf und ihre Vettern Friedrich und Felix waren ebenfalls bekannte Schriftsteller – und wuchs in Braunschweig auf. Sie studierte, da dies für Frauen in Deutschland nicht möglich war (siehe: Frauenstudium), in der Schweiz Geschichte und Philosophie und promovierte 1892 an der Universität Zürich mit einer historischen Arbeit über „Die Neutralität der Eidgenossenschaft während des spanischen Erbfolgekrieges“ an der philosophischen Fakultät. Seit ihren Studientagen war sie mit der Tiermedizinerin Marianne Plehn befreundet, die später die erste deutsche Professorin in Bayern werden sollte. In der Zürcher Pension Walder am Schanzenberg lernte Huch ihre lebenslange Freundin, die Chemiestudentin Marie Baum, kennen, die in Danzig 1874 geboren wurde († 1964) und ihr 1950 ein biographisches Denkmal setzte: „Leuchtende Spur“.



Nicht alle Schmerzen sind heilbar

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.






 

von Udo Stärkelings Community: Borderline
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Sonntag, 4. mai 2008

 


 

 

Nun, haben sich doch tatsächlich die Sonnenstrahlen überall breit gemacht und die Temperaturen sind für meinem Alabasterkörper genau richtig. Man sollte meinen, dass dieses Klima doch reichlich Energie freisetzt und für reichlich Tatendrang sorgt. Na ja, muss sagen, dass meine Faulheit schon einer Kriegsdienstverweigerung an meinem Körper ist.

Muss doch gerade daran denken, als ich vor einem Jahr in Bad Dürrheim in der Klinik war, als wochenlang uns die Sonne tagtäglich begleitete, wie viel Engagement in mir steckte. Es verging kaum ein Tag ohne sportliche
Betätigung oder sonstigen mehr oder weniger geistvollen Unternehmungen. Was für ein Wandel, nicht mal 1 Jahr vorbei und mein Speckmantel hat sich wieder auf das alte Niveau hinauf gearbeitet. Hadere mit mir und meiner Umwelt und bin total unglücklich.

Welche Begeisterungsfähigkeit steckte damals in mir, als ich durch die Wutachschlucht 16 km mit Gewitter und reichlich Matsch wanderte und Glücksgefühle durch meinen ganzen Körper jagten oder die Überfahrt von Konstanz nach Meersburg, ließ mein Gesicht bis oben hin lächeln, mit großen Kulleraugen bestaunte ich die wunderschöne Landschaft am Bodensee. Was ging in meiner Seele vor, als ich mit Karin und Heidi ganz alleine auf dem Feldberg war, für einen Moment fühlte ich mich, als der einzige und wahre "König dieser Welt", mit

welchem Genuss der Rharbarberkuchen in Freiburg meinen Gaumen entzückte, mit welcher Ruhe und Gelassenheit konnte ich Heidi und Karin begleiten und sämtliche Geschäfte in Freiburg unsicher machen. Ein Höhepunkt für mich war auch unsere nächtliche Schreitherapie, als einige "Klinikinsassen" sich mit Kerzen, Getränken und Knabbergebäck bewaffneten und sich in den Wald verabschiedeten. Dieser Zusammenhalt, das Lachen, habe mich so wohl gefühlt, wie noch nie in meinem Leben.

Nun sitze ich mal wieder auf dem Balkon und trauere den alten Zeiten nach. Allüberall in meiner Umgebung  spürt man Aufbruch und Bewegung.  Fahrradfahrer huschen an mir vorbei,  Spaziergänger lächeln sich an, in den Gärten toben Kinder. Ihr Lachen und Gekreische schallt durch die Luft. Natürlich darf auch der obligatorische Geruch von Grillfleisch nicht fehlen. Seufze vor mir hin und wünsche mir meine Hübü-Zeit zurück.

Immer wieder frage ich mir, wieso kann ich mein Leben nicht so einrichten, dass auch ich mich aufmachen kann, mein Glück zu finden. Das kann doch nicht wahr sein, dass mir so etwas wie Lebensfreude nur in einem geschützten Bereich, wie in der Klinik Hüttenbühl möglich ist. Das schlimme dabei, ist ja, dass ich glaube, wie es funktionieren kann.  Meine
Menschenscheu habe ich ja auch schon gewaltig abgelegt, trotzdem finde ich keinen Weg in meiner Heimatstadt wesenverwandte Menschen zu finden, um meinen noch vorhandenen Tatendrang zu befriedigen. Zur Zeit frustriert mich das Thema doch gewaltig. Es liegt ja an mir, muss mich nur aufraffen, (1. Stunde Therapie, das Wort "aber" nicht benutzen, trotzdem), aber finde einfach alleine, nicht den Weg auf Menschen zu zugehen. Meine Innereien brauchen schlichtweg immer einen Anstoß, der mich aus meinen inneren Blockaden herausführt.

Nun setzte ich mein Glück vorerst auf eine, hoffentlich bald genehmigte Reha, von der Rentenversicherung und die Zuversicht, in einer Gegend zu kommen, die neue Begeisterung und Lebensfreude in mir erweckt und dass ich an diesen Ort endlich lerne, meine Isolutationskräfte zu besiegen.

Alles Gute dieser Welt, wünscht

Udo

 

Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.

Fleming ist der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhält er den ersten Unterricht. Anschließend besucht er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wird er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikuliert er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schließt das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.



Gedanken über der Zeit

Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit;
so wißt, ihr Menschen, nicht von und in was ihr seid.
Diß wißt ihr, daß ihr seid in einer Zeit geboren
und daß ihr werdet auch in einer Zeit verloren.
Was aber war die Zeit, die euch in sich gebracht?
Und was wird diese sein, die euch zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was und nichts, der Mensch in gleichem Falle,
doch was dasselbe was und nichts sei, zweifeln alle.
Die Zeit, die stirbt in sich und zeugt sich auch aus sich.
Diß kömmt aus mir und dir, von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit; sie ist in ihm ingleichen,
doch aber muß der Mensch, wenn sie noch bleibet, weichen.
Die Zeit ist, was ihr seid, und ihr seid, was die Zeit,
nur daß ihr wenger noch, als was die Zeit ist, seid.
Ach daß doch jene Zeit, die ohne Zeit ist, käme
und uns aus dieser Zeit in ihre Zeiten nähme,
und aus uns selbsten uns, daß wir gleich könten sein,
wie der itzt jener Zeit, die keine Zeit geht ein!

 


 

von Udo Stärkelings Community: Borderline
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Freitag, 2. mai 2008


 

Sehnsüchtig richten sich meine Blicke auf die Planeten und den Sternenbilder. Die glitzernde Welt dort oben bereitet mir inneren Frieden und etwas Hoffnung. Hin und wieder kommt Bewegung auf. Blinkende Flugzeuge ziehen ganz langsam ihre Bahnen, möchte gerne Wissen, wohin die Reise geht.

 Wünsche mir, dass eines Tages, ein außerirdischer "Scotty" mich hoch beamt und meinen Planeten für alle Ewigkeit verlassen kann. Frage mich, was werde ich in den unendlichen Weiten antreffen. Gibt es dort draußen eine Welt, die mir Geborgenheit bringt?

In meiner Phantasiereise sehe ich wie unsere Planeten und Monde liebevoll die Sonne umkreisen. Ein Bild der Harmonie und Schönheit. Jupiter mit seinem großen roten Auge
schaut mich stürmisch an, Saturn mit seinen Ringen spiegelt in mir die Vollkommenheit der Schöpfung. Ja, dann sehe ich unsere Erde, wahrlich wunderbar anzusehen, das Blau der Meere, eine Komposition von Wolken und gelb-rötlichen Landschaften lassen diese Welt perfekt erscheinen. Ach, wären nur die Menschen dort nicht drauf.

Tiefer und tiefer geht meine Phantasiereise. Was werde ich antreffen in unendlichen vielen Galaxien. Zum ersten mal kommt mir der Gedanke, dass "Gottes Schöpfung" wohl ein Borderliner ausgeführt hat. Überall trifft man auf Chaos.

Galaxien stoßen zusammen und lassen es richtig krachen,  Wolken aus Staub und Gas lassen neue  Sonnensysteme entstehen, vielleicht auch Leben. Riesige schwarze Löcher fressen alles auf, was sich Ihnen nähert, dunkle Materie umgibt unerforscht das All, überall ist Kälte zu spüren, nur bei Begegnungen mit Sonnen ist wohltuend Wärme zu spüren. Drohend dehnt das All sich immer weiter aus. Stürzt eines Tages alles wieder in sich zusammen? Beginnt mit einem Urknall, das Spiel wieder von vorne. Behüte mich davor.

Langsam komme ich wieder auf meine irdische Dimension zurück und sehe in mir ein überflüssigen Baustein der Schöpfung. Greife mir eine Zigarette und denke nur, welchen Unsinn hat die Schöpfung angerichtet. Gewalt, Chaos, Zerstörung wohin man sieht. Was lässt das Leben zu, um dies zu ertragen. Heuchler, geldgeile Manager, Bestechlichkeit wohin man sieht, ein Miteinander, dass nur verbittern lässt.

Doch ein wenig Hoffnung ist noch da. Meine Reise in die Ewigkeit hat gezeigt, dass es etwas Größeres gibt, was den Weg des Universums bestimmt. Hab mir etwas Glauben zurück geholt, nein nicht an Gott oder wer auch immer angebetet wird, nein, an die unglaubliche Schönheit der Natur, Ihre Kunst eine unheimliche Vielfalt entstehen zu lassen, den Wesen Liebe zu geben, das neue Leben behutsam zu achten, den Weg des Miteinander und des Friedens. Das alles ist vorhanden, nur viele Menschen zerstören dieses Kunstwerk.

Was auch immer der Auslöser ist, der Natur diese Kraft zu geben, an Ihn richte ich meine Bitte, lass die Heuchler und Zerstörer nicht weiter machen, lass Menschen siegen, die wirkliche Liebe in sich tragen und deshalb bleibe ich noch etwas auf meinem Planeten und vielleicht habe ich auch irgendwann die Möglichkeit, Liebe zu entdecken.



Eine schöne Nacht wünscht


Udo

 

 

 

 

 

 

 


Richard Fedor Leopold Dehmel (* 18. November 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz, Mark Brandenburg (heute: Gemeinde Münchehofe Ortsteil Hermsdorf, Landkreis Dahme-Spreewald); † 8. Februar 1920 in Blankenese) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.

 

Dehmel gilt in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker. Berühmte Komponisten wie Richard Strauss, Max Reger, Arnold Schönberg, Heinrich Kaspar Schmid und Kurt WeillVerklärte Nacht op. 4 für Streichsextett von 1899 nach dem gleichnamigen Gedicht aus Weib und Welt (später in Zwei Menschen. Roman in Romanzen aufgenommen). Dieses Gedicht behandelt Dehmels Hauptthema »Liebe und Sexualität« (Eros), die von ihm zu einer die bürgerlichen Konventionen sprengenden Kraft stilisiert werden. Auch einige der erhalten gebliebenen Liedkompositionen von Alma Mahler-Werfel vertonen Texte von Dehmel. Der Komponist Heinrich Kaspar Schmid (1874-1953) hat von seinen Gedichten "Schutzengel für Singstimme und Klavier" op.20 vertont. Ferner in "Liederspiel" zur Laute oder auch Klavier op. 31 die Gedichte "Erntelied", "Die Getrennten", "Wiegenlied für einen Jungen", sowie für Männerchor op.49 das Gedicht "Nicht doch" (Walter Homolka, Heinrich Kaspar Schmid Archiv Landau/Isar). vertonen seine Gedichte oder werden durch diese zu Kompositionen angeregt wie Schönberg zu dem berühmten



Das Wunderblümlein

1.

Schlaflos lieg' ich, wie im Fieber
starr' ich in die Schatten hin,
ob mir eben nicht ihr lieber
Augenstrahl erglänzte drin,

ob nicht solche Grüße brächten
auch zwei Seelen sich von fern,
wie in heitren Sommernächten
fällt vom Himmel Stern zu Stern.


2.

Wie der Mond im Wechsel wandelt
ruhlos je und je,
bis das blasse Antlitz wieder
ihm verklärt die See:

muss ich einsam immer schweifen,
schweifen ohne Ruh' -
ach, wann strahlet Frieden wieder
mir dein Auge zu?!


3.

Aus des Abends weißen Wogen
taucht ein Stern;
still von fern
kommt der blasse Mond gezogen.

Fern, ach fern
aus des Morgens grauen Wogen
langt der stille blasse Bogen
nach dem Stern!


4.

An dem Fluss die alte Stelle
hab' ich suchen müssen,
wo die Weiden niederhängen,
um die Flut zu küssen.

Doch es rinnt die kühle Welle
ungerührt von hinnen:
und ich muss bei ihren Klängen,
Liebste, Deiner sinnen!


5.

Stumm und schwer die Blätter hangen,
regungslos die Bäume stehen,
und ich fühl' ein seltsam Bangen
durch die heißen Lüfte wehen,

bis ins heiße Herz mir zittern,
ob ich flüchte, ob ich weile ...
Oh, ich lechze nach Gewittern!
komm, Geliebte! eile! eile!


Dieses Gedicht ist in folgendem Fall enthalten:

Liebesgedichte => Sehnsucht im Gedicht


von Udo Stärkelings Community: Gedichte
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Mittwoch, 30. april 2008

 
Frage mich oft bin ich wirklich einsam? Möchte ich überhaupt meine Isolation verlassen? Kann ich meine Unsicherheit gegenüber Menschen dadurch besser komprimieren, dass ich mein selbstgewähltes Asyl nicht verlasse? Viele Fragen beschäftigen mich, warum es mir so schwer fällt, mich meiner Umgebung zu stellen.

Verlasse momentan nur das Haus, wenn die Chance besteht niemand anzutreffen. Vermeide jegliche Kontakte zu meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Alles wird im Schnellverfahren erledigt, meine Einkäufe, meine Arzt besuche, schnurstracks führt der Weg wieder in mein ach so geliebtes Reich.

Die andere Seite der Medaille ist, dass doch eine große Sehnsucht besteht, Menschen in meiner unmittelbaren Nähe zu haben, sie zu spüren, sich Auge in Auge anzusehen, die Gedanken miteinander auszutauschen, dass ein gegenseitiges  Verständnis  da ist,  sich Aufmacht die Welt zu erobern,  dass einfach eine Seelenverwandtschaft  vorhanden ist.

Aber die Angst solch einen Menschen kennen zu lernen ist nun wiederum dermaßen groß, dass erst gar kein Versuch gestartet wird. Meine alten Ängste holen mich dann immer wieder ein. Laufe ich wieder weg, wenn es zum geringsten Konflikt kommt? Bin ich überhaupt gut genug,
um mit diesen Menschen zusammen zu sein? Kann ich Nähe überhaupt zulassen? Wie verberge ich meine Unsicherheit? Wann bin ich Ich und wann bin Ich nur der Schauspieler. Was bin ich? Wer bin ich? Alles Fragen ohne Antwort.

Diesen gordischen Knoten kann ich einfach nicht entflechten. Mein Kontakt in die Außenwelt besteht zur Zeit nur per Telefon und einigen Emails. Für eine gewisse Zeit helfen mir auch die Gespräche, aber dann fühle ich mich wieder allein gelassen. Warum wohnt von meinen Freunden niemand in Aachen?

Hier gibt es einfach nicht die Menschen, die ich in meinen Reha´s kennen lernen durfte. Wieso ist es mir oft nicht möglich meinen eigenen Schweinehund zu besiegen und mich einfach in einen Zug zu setzen und starte eine Reise der Freundschaft. Brauche ich für alles eine förmliche Einladung.

Habe mich aber riesig gefreut, dass mir Hermann aus der Reha-Zeit in Hüttenbühl geschrieben hat, und mich einlädt nach Fellbach. Meine innere Seele möchte das wirklich gerne machen, aber wie schaffe ich es, soviel Kraft zu tanken, dass ich meine Hemmungen ablegen kann und einfach meinen Rucksack packe und fahre. Weiß ganz genau, dass mir das gut tun würde und ich dann wieder für einige Zeit mein Leben im Griff hätte. Zu viel hätte und würde! Es ist ja nicht so, dass ich solche Reisen nicht schon gemacht habe, aber bei jeden unternehmen, was ich starte sind vorab immer riesige Zweifel in mir. Im Nachhinein stellt sich dann aber wieder raus, dass alle Zweifel unbegründet sind und trotzdem entfachen diese Aktionen große Unruhen in mir und ein großer Kampf beginnt in mir, meinen Schweinehund zu besiegen und die Reise einfach starte. Na ja, habe auch noch einige Berater, die werden mir schon den Marsch blasen. Hoffe ich mal.

Wünsche jedenfalls einen schönen Tanz in den Mai und habt alle Spaß an der Freude. Für meinen Teil, habe keinen Plan, möchte gerne etwas ausgehen, aber auf der anderen Seite Frage ich mich, Warum? Schauen wir mal!

Bis die Tage
Udo

 







Bertolt Brecht
(gebürtig Eugen Berthold Friedrich Brecht; * 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in Berlin) wird als einflussreichster deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er ist auch international für seine Werke angesehen und ausgezeichnet worden. Brecht gilt als Begründer des epischen Theaters bzw. „dialektischen Theaters“. Brecht bezeichnete sich selbst (gegenüber Walter Benjamin) als Kommunisten.







Die Seeräuber-Jenny

1
 
Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Geschrei?
Und man wird mich lächeln sehn bei meinen Gläsern
Und man sagt: Was lächelt die dabei?
Und ein Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird liegen am Kai.
 
2
 
Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht!
(Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.)
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Aber eines Abends wird ein Getös sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Getös?
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man sagt: Was lächelt die so bös?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschiessen die Stadt.
 
3
 
Meine Herren, da wird ihr Lachen aufhören
Denn die Mauern werden fallen hin
Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich.
Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von dem Streich
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?
Und man wird mich sehen treten aus der Tür am Morgen
Und man sagt: Die hat darin gewohnt?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beflaggen den Mast.
 
4
 
Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: Welchen sollen wir töten?
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!
  Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir. 

Eine musikalische Version der Seeräuber Jenny aus der Dreigroschenoper von Berthold Brecht gesungen von "Hildegart Knef"

 

 


 

von Udo Stärkelings Community: Lebensalltag
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Dienstag, 29. april 2008

 

Nach meinem chaotischen Sonntag, geht es mir nun deutlich besser. Frage mich immer wieder, wie diese Extreme zu Stande kommen. Was geht in meinem Kopf vor? Wie kann es sein, dass ich Sonntag Todessehnsucht hatte und heute die Welt erobern möchte.


Diese Gegensätze, machen mich regelrecht fertig. Komme mir jedes mal vor, als ob ich in einem Steinbruch arbeite, so fertig, kaputt und müde bin ich. Für einen normalen Menschen kann das nicht nachvollziehbar sein, ich verstehe ja dies alles selber nicht.

Was geht da ab in meinem Kopf? Wieso habe ich in einem Moment Gedanken mich umzubringen und im nächsten Moment bin ich die Lebensfreude pur. Gibt es in dieser Welt jemand der mir das verdeutlichen kann, was sich in meinem kleinen Gehirn abspielt. Gibt es Möglichkeiten, diese Gedanken zu beeinflussen, sodass ein gesundes Mittelmaß dabei heraus kommt? Ich weiß es nicht, bis jetzt konnte mir auch niemand verklickern, was in meinem Oberstübchen vorgeht.

Die gestrige Nacht wurde mal wieder dafür missbraucht, dass mal wieder alles stillgelegt wurde. Sämtliche Stecker wurden gezogen, Batterien aus dem Handy und Telefon heraus geholt, niemand sollte mich erreichen, wollte keinen Menschen mehr sehen, in den Hungerstreik treten, meine Wohnung nie mehr verlassen, solche und noch üblere Gedanken waren der Begleiter der vergangenen Nacht.

Plötzlich, heute Vormittag drehte sich der Wind. Mir ging es schlagartig besser und kann mir zum Teufel nicht erklären, warum diese Wendung. Da war sie wieder, Lebensfreude pur, Unternehmungsgeist, am liebsten möchte ich alles auf einmal machen, Joggen, Rad Fahren, spazieren, durch die Stadt streifen, Frauen aufreißen - nur ein Witz, bin ich sowieso zu blöde zu, ein Bierchen trinken und was auch immer.


Dieses Himmel hoch jautzend und zu Tode betrübt macht mich regelrecht fertig. Es zerreißt förmlich meinen Körper jedes mal in zwei Hälften. Kann ich jemals erleben, was ein gesundes Mittelmaß ist. Das ist der alltägliche Stress, den ich mir wohl selber mache, aber keine Ahnung darüber habe, wie ich dagegen ankomme. Frage mich auch, ob ich das in meinem Alter überhaupt lernen kann oder bin ich mittlerweile schon soweit, dass ich vielleicht gar nicht mehr will. In den Jahrzehnten habe ich immer die gleichen Muster erlebt und bin  auch irgendwie schon darauf eingestellt, mein alltägliches "Leipziger Allerlei" in den Griff zu bekommen.

Mein Himmelhoch jautzend und zu Tode betrübt kostet jedenfalls in beiden Richtungen richtig Kraft und der große Traum endlich einmal die Kraft zu haben, um die schönen Dinge dieser Welt kennen zu lernen, ja den Wunsch kann ich mir nur erfüllen, wenn irgendwann mir beibringt dieses Auf und Ab zu besiegen.

Bis danne

Udo

 

Lili Marleen
Text: Hans Leip, 1915 - Musik: Norbert Schultze, 1938

Marlene Dietrich (* 27. Dezember 1901 in SchönebergBerlin); † 6. Mai 1992 in Paris; eigentlich Marie Magdalene Dietrich verheiratete Sieber) war eine deutsch-amerikanische Schauspielerin und Sängerin. In den frühen 1930er Jahren gelang ihr der Aufstieg zur international berühmten Künstlerin, sie wurde als erste Deutsche ein Filmstar in Hollywood.

Vor der Kaserne bei dem großen Tor

Stand eine Lanterne und steht sie noch davor

So wollen wir uns wieder seh'n

Bei der Lanterne wollen wir steh'n

|: Wie einst Lili Marlen'. :|

 

2. Unsere beide Schatten  sah'n wie einer aus

Daß wir so lieb uns hatten, das sah gleich man daraus

Und alle Leute soll'n es seh'n

Wenn wir bei der Laterne steh'n

Wie einst Lili Marlen. :|

 

3. Schon rief der Posten,  sie blasen Zapfenstreich

Es kann drei Tage kosten, Kam'rad, ich komm so gleich

Da sagten wir auf Wiedersehen

Wie gerne wollt ich mit dir geh'n

|: Mit dir Lili Marlen'. :|

 

4. Deine Schritte kennt sie,  Deinen  zieren Gang

Alle abend brennt sie,  doch mich vergaß sie lang

Und sollten mir ein Leids gescheh'n

Wer wird bei der Lanterne stehen

|: Mit dir Lili Marlen'? :|

 

5. Aus dem stillen Raume, aus der Erden Grund

Küßt mich wie im Traume dein verliebter Mund

Wenn sich die späten Nebel drehn

Werd' ich bei der Lanterne steh'n

|: Wie einst Lili Marlen'. :|

 





von Borderline53 Community: Borderline
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Dienstag, 29. april 2008
Mein Zimmer, lauf hin und her, leg mich ins Bett, Fernsehen läuft, keine Ahnung was. Ist meine Unterhaltung halt, Hauptsache es spricht jemand. Koch mir zum xten mal einen Cappuccino. Geh zum Balkon, rauche mir wieder eine, schau den Leuten zu. Gehen spazieren, Arm in Arm, Kinder spielen, haben Spaß, lachen. Ein paar Häuser weiter wird gegrillt, riecht sehr lecker.  Tolles Wetter, viel Fröhlichkeit, was mach ich nur bloß. Leg mich wieder ins Bett, versuche zu schlafen, habe auch nicht die richtige Lust dazu, zappe durch die Fernsehwelt, auch nicht so berauschend, schalte den Computer ein. Schau im Forum nach, mein Tagebuch, im Gästebuch niemand hat geschrieben. Bin beleidigt. Möchte joggen, mein Becken macht nicht mehr mit, auch zu viel Menschen unterwegs, macht mich nervös, bin auf die Menschen draußen eifersüchtig, keine Zigaretten mehr, schlimm, was nun, Trainingsanzug an und ab zur Tankstelle, hat 2 Stunden gedauert dieser Entschluss.

Zurück, direkt Schlafanzug an, Balkon, Cappuccino und Zigarette. Sollte mal was essen, kaum was da, Fischstäbchen mit Pommes und Ketschup, welch Gourmet ich doch bin. Fernsehen läuft und läuft, Bayern hat wohl gewonnen, am Rande ich nur verfolgt. Seltsame Gedanken überkommen mich, mag nicht mehr, kein Sinn, keine Aufgabe, keine Menschen, Selbstaufgabe durch und durch, liegt´s am Geld, wollte schon jemand überfallen, nur im Kopf, sehr seltsam, Computer wieder an, Bahn.de angeklickt, Verbindungen nach Winnweiler rausgesucht, wieder verworfen, ab ins Bett, ach nein, hab mich überwunden, bin duschen erst gegangen. Versuch etwas Gymnastik, 2 Übungen kein Bock, Aschenbecher, wieder auf den Balkon, immer noch laufen Menschen rauf und runter. Möchte sie am liebsten erschießen. In mir wächst sehr viel Gewalt, was geht da ab, so war ich noch nie. Sind zwar nur Gedanken, aber doch Angst, dass vielleicht einmal etwas passiert. Bin doch immer friedlich gewesen, was macht mich so rebellisch.

Mittlerweile 22.00 Uhr, schreib einfach auf, was mein Kopf hergibt. Müde, nein, die ganze Nacht wieder ein hin und her. Kann niemand anrufen, Freenet hat dass Telefon gesperrt, kann nur angerufen werden, hab 109,95 Euro Guthaben, haben mir defektes Handy verkauft, sollen es doch einfach verrechnen, tun es nicht, bescheissen einen. Hab das 5. Einschreiben fertig, bin wütend. Werde jetzt auch ein Schwein, lieb und nett, vergiss es bloß, man wird nur verarscht und ist leichte Beute für diese Abzockerwelt. Es schießt mir im Kopf, möchte die Eigentümerin meiner Wohnung am liebsten ermorden.
Dreimal Ihr gesagt, soll endlich meine Klingelanlage reparieren. Nein, von diesem Pack rührt sich niemand, aber, oh weh, die Miete ist nicht pünktlich da, Eltern was soll ich noch mit denen, zum Geburtstag nicht einmal kurz sich gemeldet, mag nicht mehr, will alles wieder beenden.

Ein Sonntag, der kein Sonntag ist, immer wieder Furcht vor diese Wochenenden, macht mich unglaublich depressiv, immer wieder das gleiche Spiel. Ich verstecke mich  vor meinen schlimmsten Träumen, bin froh, wenn Montag ist.

Udo



Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.

Tucholsky zählte zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor und Lyriker. Er verstand sich selbst als linker Demokrat, Pazifist und Antimilitarist und warnte vor antidemokratischen Tendenzen – vor allem in Politik, Militär und Justiz – und vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus.


Der Mensch

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.

Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wird gemacht, hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle.

Der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch den Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen, sowie auch Kultur, Kunst und Wissenschaft. Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören. Man könnte den Menschen gradezu als ein Wesen definieren, das nie zuhört. Wenn er weise ist, tut er damit recht: denn Gescheites bekommt er nur selten zu hören. Sehr gern hören Menschen: Versprechungen, Schmeicheleien, Anerkennungen und Komplimente. Bei Schmeicheleien empfiehlt es sich, immer drei Nummern gröber zu verfahren als man es gerade noch für möglich hält. Der Mensch gönnt seiner Gattung nichts, daher hat er die Gesetze erfunden. Er darf nicht, also sollen die anderen auch nicht.

Um sich auf einen Menschen zu verlassen, tut man gut, sich auf ihn zu setzen; man ist wenigstens für diese Zeit sicher, daß er nicht davonläuft. Manche verlassen sich auf den Charakter.

Der Mensch zerfällt in zwei Teile:
In einen männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen, der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle: man ruft diese am sichersten dadurch hervor, daß man gewisse Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen sondern manche Menschen Lyrik ab.

Der Mensch ist ein pflanzen- und fleischfressendes Wesen; auf Nordpolfahrten frißt er hier und da auch Exemplare seiner eigenen Gattung; doch wird das durch den Faschismus wieder ausgeglichen.

Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen haßt die andern Klumpen, weil sie die anderen sind, und haßt die eignen, weil sie die eignen sind. Den letzteren Haß nennt man Patriotismus. Jeder Mensch hat eine Leber, eine Milz, eine Lunge und eine Fahne; sämtliche vier Organe sind lebenswichtig. Es soll Menschen ohne Leber, ohne Milz und mit halber Lunge geben; Menschen ohne Fahne gibt es nicht.

Schwache Fortplanzungstätigkeit facht der Mensch gerne an, und dazu hat er mancherlei Mittel: den Stierkampf, das Verbrechen, den Sport und die Gerichtspflege. Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden. Doch hat noch niemand sich selber beherrscht; weil der opponierende Sklave immer mächtiger ist als der regierungssüchtige Herr. Der Mensch ist sich selber unterlegen.

Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauren Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr. Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.

Der Mensch möcht nicht gerne sterben, weil er nicht weiß, was danach kommt. Bildet er sich ein, es zu wissen, dann möchte er es auch nicht gern; weil er das Alte noch ein wenig mitmachen will. Ein wenig heißt hier: ewig.

Im übrigen ist der Mensch ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen läßt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner, aber die haben wir noch nicht gehabt und bekommen Zoologie erst in der nächsten Klasse.
von Borderline53 Community: Sprechen durch Schreiben
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